Gesellschaft

Unsere Wahrnehmung hat sich verändert

Unser Autor sieht die Nachteile des digitalen Unterrichts. Aber vor allem seine gewaltigen Möglichkeiten.

Text: Felix Langrock

Stellen wir uns folgende Situation vor: Ein Mann geht einkaufen, so wie immer. Er nimmt seinen Korb, Geld und Einkaufszettel. Und natürlich setzt er, ohne groß darüber nachzudenken, seine Maske auf, bevor er den Supermarkt betritt. Noch bis vor einem Jahr waren Kundinnen und Kunden mit Maske die absolute Ausnahme. Kann etwas erst Fremdes, vielleicht sogar Unangenehmes oder Störendes, zur akzeptierten Normalität werden? Ohne Weiteres hätte wohl jeder von uns diese Frage bis von vor einem Jahr verneint.

Gilt das auch für die Bildung? Seit Mitte Dezember ist dem Präsenzunterricht ein Riegel vorgeschoben, bereits das zweite Mal in der Coronapandemie. Die Unterschiede zum ersten Lockdown könnten nicht größer sein.

Wo 2020 hauptsächlich noch über E-Mails zwischen Lehrkräften und der Schülerschaft kommuniziert wurde, werden 2021 leistungsstarke digitale Lernplattformen verwendet, über die vollwertige Unterrichtsgespräche möglich sind. Wo 2020 noch über fehlende Theater- und Museumsbesuche geklagt wurde, werden 2021 Expertinnen und Experten sowie Künstlerinnen und Künstler der verschiedenen Themenbereiche über digitale Lernplattformen zugeschaltet. Und wo 2020 noch über zu geringen sozialen Kontakt geklagt wurde, da sorgen 2021 digitale Lernplattformen durch Videogespräche für Ersatz. Gut, ganz so rosig ist die Realität dann auch wieder nicht. Natürlich hat auch der digitale Unterricht seine Schattenseiten. Und natürlich kann auch die beste Lernplattform den Präsenzunterricht nicht ersetzen.

„Expertinnen und Experten sowie Künstlerinnen und Künstler aus verschiedenen Themenbereichen können im digitalen Unterricht einfach zugeschaltet werden.“

Die Krise bietet aber auch Chancen für Neues. Der zukünftige Präsenzunterricht wird deutlich digitaler. Bei stabilen und fortschrittlichen Lernplattformen ist das wohl kaum eine Überraschung. Einer Umfrage unter Mitgliedern der Liberalen Schüler NRW ergab, dass sich trotz der Vielzahl an verschiedenen Lernplattformen 77 Prozent der Befragten die Zuverlässigkeit der Lernplattform als „sehr gut“ bis „befriedigend“ bewerten. Gleichzeitig bewerten 83 Prozent der befragten Schülerinnen und Schüler die Nutzerfreundlichkeit der jeweiligen Lernplattform als „sehr gut“ bis „befriedigend“. Auch wenn die Umfrage nicht repräsentativ ist, so kann zumindest ich als Schüler einer Oberstufe diese Ergebnisse bestätigen.

Natürlich fehlt uns Schülern und Schülerinnen der persönliche Kontakt. Trotzdem können wir aus unseren Erfahrungen mit dem Distanzunterricht lernen und die Vorteile in den Präsenzunterricht einbinden. Zum Beispiel durch Gespräche mit Experten oder Museumsbesuche, die – wie die vergangenen Monate gezeigt haben – auch digital super funktionieren. Unsere Wahrnehmung hat sich verändert.

Felix Langrock besucht die gymnasiale Oberstufe und bloggt in seiner Freizeit über Wirtschaft und Politik.

Foto: Felix Langrock